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Mit dem fliegenden Klassenzimmer...

... nach Griechenland
17 Schüler nehmen an der Model United Nations-Konferenz in Thessaloniki teil


Die Szene erinnert an Erich Kästners "Das fliegende Klassenzimmer", als 17 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 11 bis 13 am Mittwoch, dem 15. Februar, im voll besetzten Flieger von Düsseldorf nach Thessaloniki starten. Das Abenteuer, das in Griechenland auf sie wartet, heißt "Model United Nations Conference". Anlässlich dieser dreitägigen Konferenz treffen sich 350 junge Leute aus Europa und den USA, um im Ursprungsland der Demokratie über aktuelle weltpolitische Probleme und künftige Perspektiven zu diskutieren.

Organisiert werden die Model United Nations (MUN) nach dem Vorbild der Vereinten Nationen. Alle Verhandlungen werden in Englisch geführt, wobei die Schüler die Rollen von Delegierten, Lobbyisten und Botschaftern übernehmen. Erfahrene Teilnehmer leiten als Vorsitzende einzelne Komitees und achten auf die Einhaltung eines strengen Protokolls. Alle Reden werden zeitlich begrenzt und Nachfragen dürfen nur gestellt werden, wenn einem Delegierten formell das Wort erteilt wird.

Für die Goetheschule Essen war es die erste Teilnahme an einer simulierten UN-Konferenz auf internationalem Parkett. Angeleitet wurden die Schüler im Vorfeld von Jonas Mühlbauer, der bereits an vier MUNs in Istanbul, Genua und München mitgewirkt hatte, und seine Erfahrungen mit viel Engagement an seine Mitschüler und Lehrer weitergab. "Wir hatten nicht viel Zeit vor der Reise," erklärt Jonas, "aber da die meisten von uns sich neben dem Abitur auf das International Baccalaureate (IB) vorbereiten, also auf einen zweiten Schulabschluss in englischer Sprache, mussten wir das Debattieren in der Fremdsprache auch nicht ausführlich üben."

Karmen Heup, die als stellvertretende IB-Koordinatorin das Projekt von Beginn an begleitet hat, ist stolz darauf, mit wie viel Selbstbewusstsein und Enthusiasmus sich die Schüler der Herausforderung "Model United Nations" gestellt haben: "Die meisten sind in Griechenland über sich hinausgewachsen. Natürlich war die Unsicherheit am Anfang groß, ob wir bei einer so angesehenen, länderübergreifenden Konferenz bestehen können, aber Jonas hat seinen Mitschülern immer wieder Mut gemacht. Er selbst hat zum ersten Mal den Vorsitz des Europa-Rats innegehabt, was viel Verantwortung für das Gelingen der Konferenz insgesamt bedeutete. Verständlicherweise stieg also die Nervosität unter den Schülern am ersten Tag nach unserer Ankunft mit jeder Stunde. Morgens herrschte noch Urlaubsstimmung, als wir das archäologische Museum besuchten, über den Vláli-Markt schlenderten, wo unter freiem Himmel Feigen, Fisch und frisch geschlachtete Lämmer angeboten wurden und als die Schüler auf den "Weißen Turm" stiegen, das Wahrzeichen Thessalonikis, um Fotos von der Stadt und der Akropolis zu machen. Abends aber wollten alle nur eines: Ein letztes Mal für die Konferenz am nächsten Tag üben. Die griechische Abordnung, die uns eigentlich nur kurz begrüßen wollte, bot daraufhin an, mit unseren Schülern eine Probe-Debatte im Hotel zu veranstalten. Für diese ungeplante "Nachtschicht" sind wir Thanos, Stella, Larry und Zacharias vom Anatolia College sehr dankbar. Sie haben wirklich alles getan, um unseren Schülern als Neulingen zu einem optimalen Start bei der Konferenz zu verhelfen."

Auch IB-Geschichtslehrer Arie Boergen ist überzeugt: "Unsere Schüler haben während der Tage in Griechenland nicht nur viele nette Leute getroffen, sondern auch unglaublich viel gelernt. Zehn Minuten nach dem offiziellen Start der Konferenz saß ich als Beobachter in einem 30-köpfigen Komitee, in dem über die Unabhängigkeitsbestrebungen Tibets diskutiert wurde, und schon meldete sich einer unserer Schüler zu Wort, um einen Beitrag des irischen Delegierten zu hinterfragen. Fast zeitgleich referierte bereits in einem anderen Komitee eine unserer Schülerinnen über die Haltung der pakistanischen Regierung zur Frage der Zwangsehe. Am Ende des ersten Konferenztages hatten dann tatsächlich alle den Sprung ins kalte Wasser gewagt und sich aktiv in die Debatten eingebracht. Das war eine tolle Leistung."

Große Anerkennung gab es am zweiten Konferenztag für die Goetheschüler, die als Syrien-Vertretern bei den Verhandlungen keine leichte Aufgabe übernommen hatten. "Wenn man als Vertreter des Assad-Regimes auftritt, kann man sich eben nicht auf Demokratie und Menschenrechte berufen," meint Nils Hommerich, bevor er sich gelassen am Mikrofon einem weiteren Kreuzfeuer der Kritik aus anderen Ländern stellt. Auch Syrien-Botschafter Constantin Waubert de Puiseau und Vize-Botschafterin Hanna Börgmann waren bestens vorbereitet. Erst kurz vor dem Abflug hatten sie erfahren, dass sie eine Rede vor dem Sicherheitsrat halten und Fragen zur Syrienkrise beantworten sollten. "Das war aber kein Problem. Wir hatten ja vorher einiges darüber gelesen und im Internet Interviews mit syrischen Politiker angeschaut." Am Ende verkörperten die Schüler ihre Rollen so realistisch, dass es ganz entgegen dem Protokoll spontanen Applaus für sie gab.

Am letzten Tag kamen schließlich über 300 Delegierte zur MUN-Vollversammlung zusammen, um vor großem Publikum die ausgehandelten Resolutionen und Zusatzartikel vorzustellen. Spannend wurde es, als die Organisatoren der Konferenz die Abschlussdebatten durch ein unerwartetes Szenario anheizten: Die Vereinten Nationen stünden, so wurde verkündet, vor einer schweren Krise, da Pakistan gerade seinen bevorstehenden Austritt erklärt habe. André von Horn traf diese Nachricht in seiner Rolle als pakistanischer Botschafter genauso überraschend wie die anderen Anwesenden im Saal. Ihm blieben nur Minuten, bevor er eine improvisierte Rede halten und die Entscheidung seines Landes gegenüber den 300 Delegierten verteidigen musste. "Das war ein krasser Adrenalin-Kick!", erinnert sich André, der äußerlich aber völlig ruhig blieb. Sein souveräner Auftritt wurde zum Schluss dadurch belohnt, dass die Vorsitzenden ihn als einen der besten Delegierten der MUN 2012 würdigten. Die gleiche Auszeichnung erhielt Melanie Lu, die als Vertreterin Spaniens im Europarat wiederholt mit fiktiven Krisenbotschaften aus Madrid konfrontiert worden war. Als am Ende alle Schüler müde, aber zufrieden die Rückreise antraten, beschäftigte die meisten vor allem eine Frage: "Wohin geht es beim nächsten Mal?"

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