• die Goetheschule Essen

Zeitzeugen

Zeitgeschichte wird anschaulich, wenn Menschen von ihr erzählen. Besonders dann, wenn sie unmittelbar betroffen waren. Die Goetheschule lädt Zeitzeugen ein, ihre Erfahrungen unmittelbar weiterzugeben.

Zeitzeugen

Heinz Krombach

Heinz Krombach

Der Goethe-Altschüler Heinz Krombach erlebte die Verfolgung des Dritten Reiches. Seine Familie, auch der ehemalige Goetheschüler Ernst, kam durch die Nazis um. Er selbst konnte nach Argentinien fliehen.
In der Zeit vom 7. bis zum 14. Juli 2003 besuchte Heinz Krombach zum ersten Mal seit 65 Jahren wieder die Goetheschule. Ein zweiter Besuch fand am 22.12.2004 statt.

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Heinz Krombach kam 1920 in Essen zur Welt und gehörte zu einer deutsch eingestellten jüdischen Familie. Sein Vater war ein pflichtbewusster Soldat und Träger des Eisernen Kreuzes im Ersten Weltkrieg. Doch als Hitler 1933 an die Macht kam, schloss er mehrere ethnische Gruppen von seiner neuen nationalen Revolution aus, darunter vor allem die Juden.
Für Heinz Krombach begann nun die Zeit der Unterdrückung. Seine besten Freunde durften ihn aufgrund der HJ-Zugehörigkeit nicht mehr besuchen. Das Ferienhaus auf Norderney, welches die Familie seit Jahren besuchte, wurde als "für Juden unerwünscht" erklärt.
In der Goetheschule musste Heinz Krombach sich in die letzte Reihe setzen. Schon jetzt, mit 13 Jahren, kam in ihm der Wunsch auf, nach Argentinien auszuwandern. Die endgültige Endscheidung brachte das Jahr 1938. Heinz Israel Krombach, wie er nun heißen musste, sah in der Goetheschule Rüttenscheid ein Schild mit der Aufschrift "Juden raus". Während er die Gefahr erkannte, sagte sein Vater nur: "Man flieht nicht vor einem Blatt Papier." Kurze Zeit später rief der Direktor Röhrscheidt den Vater zu sich und machte ihm klar, dass Heinz sein Abitur nicht machen könne. In der Reichspogromnacht versuchte die Familie noch die Polizei zu alarmieren, als Nationalsozialisten die jüdische Nachbarschaft terrorisierten. Jedoch konnte und wollte die Polizei den jüdischen Krombachs nicht helfen.
Heinz Krombach floh daraufhin mit dem Motorrad durch Deutschland, um nicht im KZ Buchenwald zu landen. Im März 1939 war es dann soweit, Heinz Krombach reiste nach Südamerika aus, blieb dort und heiratete. In Argentinien leitete er den Bau von Fabriken. Es setzte sich seit 1990 für die Kooperation deutscher und argentinischer Ingenieure ein. So wirkte er mit an der Koordination der Beziehungen des Bundes der deutschen Ingenieure und des Emscher-Lippe-Verbandes zu ähnlichen Verbänden in Argentinien. Auf jährlichen Treffen von Vertretern aus beiden Ländern konnten vergleichbare Probleme erörtert werden.
Am 21.12.2004 erhielt er den Verdienstorden des Landes NRW.
Im Dialog mit den Schülern erklärte er die Situation der damaligen Zeit sehr genau und lebendig. Wie er selbst sagte, "verlangte und erwartete er keine Reue, da "alle Menschen, die mir Böses angetan haben, nicht mehr leben." Besonders lag es ihm bei dem bewegenden Dialog mit den Goetheschülern am Herzen, dass sich die Jugend in Zeiten der Globalisierung politisch engagiert. Nie wieder sollen Menschen "wie Vieh" missbraucht werden. Nie wieder sollen Menschen aufgrund ihrer Rassenzugehörigkeit sterben. Und so kam es zu dem bewegenden Aufruf an die Schüler: "Die Welt muss anders werden. Die Hoffnung seid ihr."

Thomas Lukow

Thomas Lukow

Thomas Lukow wurde Opfer des DDR-Regimes. Seine Weigerung zur Mitarbeit in der Dikatur führte zur Bespitzelung durch die Stasi. Weil er in den Westen flüchten wollte, kam er in Isolationshaft.
Am 19. Januar 2006 hielt Thomas Lukow in der Aula der Goetheschule Essen einen Vortrag über seine Erfahrungen.

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Bernd Simon

Bernd Simon

Der Goethe-Altschüler Bernd Simon erlebte die Verfolgung des Dritten Reiches. In letzter Minute gelang ihm 1939 die Flucht aus Deutschland, nachdem er zuvor zwei Monate im KZ Dachau verbracht hatte. Mit dem Schiff gelang ihm die Flucht nach Kuba und den USA.
Mehrfach, zuletzt im September 1999 und am 21. Juni 2000, besuchte er die Goetheschule und erzählte von seinen Erlebnissen.
Geboren am 20. Mai 1920 in Essen als einziges Kind von Siegmund und Senta Simon, geb. Goldschmidt. Der Vater stirbt bereits ein Jahr nach der Geburt seines Sohnes. 1928 heiratet Senta Simon Berthold Bonem.
Ab 1926 besucht Bernd Simon die jüdische Volksschule und wird 1930 an der Goetheschule in Essen-Rüttenscheid als "reif für die Sexta" aufgenommen, 1936 verlässt er das Gymnasium mit der Obersekundareife und beginnt eine kaufmännische Lehre im Kaufhaus Blum.
Am 16. November 1938 wird Bernd Simon nach Dachau deportiert, seiner Mutter gelingt es, ein Ausreisevisum für ihn zu besorgen, so dass ihr Sohn 1939 nach Kuba und von dort in die USA flüchten kann. Senta Simon-Bonem erhält zwar ebenfalls ein Visum für Kuba, kann dieses jedoch nicht mehr nutzen und wird am 14. November 1941 nach Minsk deportiert.
1942 tritt Bernd Simon als Freiwilliger in die US-Armee ein und nimmt an der Landung in Sizilien und dem Vormarsch der Alliierten in Italien teil. Zu seinen Aufgaben gehört die Suche nach Kriegsverbrechern sowie die Verhöre von Kriegsgefangenen. Bis 1948 ist er für die CIC in Europa, u. a. in Wien tätig, wo er seine künftige Frau, eine ungarische Jüdin, kennenlernt.
Nach seiner Heirat und der Rückkehr in die USA studiert Bernd Simon vier Jahre lang Sprachen an der University of California, Santa Barbara. Ab 1955 war er Lehrer für Englisch, Spanisch und Deutsch am Ventura College. Er lebt mit seiner Frau in Ventura, hat zwei Kinder und mehrere Enkel und gibt weiterhin Sprachunterricht.
Siehe auch: Bernd Simon: "Als die Flagge gewechselt wurde". Erinnerung an meine Schulzeit an der Goetheschule in Rüttenscheid in den Jahren 1930-1936. In: 100 Jahre Goetheschule Essen 1899-1999. Erfahrungen Begegnungen - Herausforderungen. Klartext Verlag. Essen 1999. S. 160 f.

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