• die Goetheschule Essen

Die Vereinigung der beiden Schulen...

... führt in eine spannungsreiche Zeit.

Bis zum April 1944 standen die zwei traditionsreichen Gymnasien immer auch in einem besonderen Spannungsmoment zueinander, ob bei sportlichen Wettkämpfen oder in ihren kulturellen Profilen: Die Goetheschule in Essen - Rüttenscheid und das Realgymnasium in Essen - Bredeney. Auch in der Schülerschaft - vor allem noch in der Schülermützenzeit - gab es eine klare Identifikation mit der jeweils eigenen Schule.

Im April 1944 nahm die Schulgeschichte eine dramatische Wende. Der damalige Schulleiter der Goetheschule, Oberstudiendirektor Dr. Röhrscheidt, beschreibt in der Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Goetheschule, 1949, das Ende der Rüttenscheider Schule: "Bis zum 27. April 1944 ging es verhältnismäßig gut. Zwar war das Gebäude arg mitgenommen, aber die Fortführung des Unterrichts war doch möglich. In der Woche vom 27. zum 28. April 1944 kam dann der schwerste Angriff auf Essen. Als ich in dieser Nacht die Brände in meiner eigenen Wohnung gelöscht hatte, ging ich zur Schule. Aber ein Durchkommen durch die Alfredstraße war kaum noch möglich. Eine Qualmwolke, untermischt mit Funken, verkohlten, brennenden, halbverbrannten Stoff- oder Papierfetzen wälzte sich über die Alfredstraße, sperrte fast den Zugang zur Schule...Die Häuser rechter Hand brannten sämtlich. Ein schwerer, halbglühender Eisenträger liegt auf dem Bürgersteig, der Rest eines Klaviers, ein Treppengeländer. Ein schweres Auto, mit den Rädern zum Himmel, von der Wucht der Mine aus der Halle bis halbe Straßenmitte geschleudert. Tageshelle, wohin man blickt. Es lodern die Dachstühle, zum Teil schon die Stockwerke.... Wir sehen die Schule. Das Telegraphenamt vor ihr brennt, aus der Turnhalle leckt eine meterhohe Stichflamme, der Zeichensaal, Musiksaal, die Biologieräume - alles ein Flammenmeer. Es prasselt von stürzendem Gebälk, die Firstplatten glühen dunkelrot - vor dem Gebäude steht die Feuerwehr. Es ist kein Wasser da. Endlich zischt ein dünner Strahl in den Dachstuhl. Das Feuer hatte aber schon den Auftrag der Engländer erfüllt, es hatte ganze Arbeit gemacht. Am nächsten Morgen war ein Zugang möglich. Ein Volltreffer war in den Westbau eingeschlagen, hatte den ganzen Block zerrissen, nur eine Mauer, die zum Schulhof hin, deutet an, was früher da gestanden hatte. Die Wohnung des Hausmeisters war völlig verschwunden, von Physik- und Chemieräumen und allem, was in diesem Block gelegen hatte, waren buchstäblich nur noch Splitter übrig.. Ein Trümmerberg, vom zweiten Stock über die Goethestraße reichend, sperrt den Zugang von dieser Seite... Wir waren obdachlos geworden..."

Der Rest ist schnell erzählt: Der noch bestehende Schulbetrieb wird zunächst in die Viktoriaschule ausgelagert, die restlichen Gebäudeteile der Goetheschule werden vom Kriegsschädenamt beschlagnahmt. Dr. Röhrscheid unternimmt an den Wochenenden Versuche, Akten zu retten, Mobiliar in Sicherheit zu bringen. Auch werden Versuche unternommen, die Gebäudereste wieder bewohnbar zu machen. Doch am 12. Dezember 1944 werden bei einem Luftangriff weitere nutzbare Baureste zerstört, in der Nacht vom 11. auf den 12. März 1945 wurde die Schule endgültig zerstört.

War Schule unter diesen Bedingungen kaum noch möglich - zudem immer mehr Schulklassen aufgelöst und in die Bemühungen des "Endkampfes" eingliedert wurden - so werden am 6.10.1944 alle Schulen in der Rheinprovinz geschlossen.

In der Bredeneyer Schule besteht eine andere Situation: Die Schule wird durch das Kohlesyndikat belegt. Schulunterricht findet nicht mehr statt, die Schülerschaft ist nach Tirol und nach Tschechien evakuiert. Der Schulleiter Dr. Fischer lebt in seiner Dienstwohnung und korrespondiert mit seinen ehemaligen Schülern, die an allen Fronten dieses Krieges stehen.
In den ersten Nachkriegswochen sucht Dr. Röhrscheidt nach Möglichkeiten, den Schulbetrieb wieder aufzunehmen: Die Goetheschule zieht zunächst in das Voßbusch - Schulgebäude, dann in die "Studienanstalt" an der Grashofstraße. In dieser Zeit werden diese Gebäude von Klassen und Lehrpersonal beider Schulen genutzt. Die Auflösung der Bredeneyer Schule als schulrechtliche Institution geschieht klammheimlich. Weil Dr. Fischer wegen seiner Tätigkeit im 3. Reich vorübergehend suspendiert, versetzt und erst später wieder in sein altes Beförderungsamt eingestuft wird, gibt es in Bredeney nur einen unbelasteten, im Dienst befindlichen Schulleiter, OStD Dr. Röhrscheidt, und der begreift sich als Leiter der vorübergehend nach Bredeney evakuierten Goetheschule, die er, wie er 1949 schreibt, mit der Bredeneyer Schule vereinigt sieht. Auf der Ebene der Behörde taucht die Bredeneyer Schule in der Liste der neugebildeten Schulaufsichtsbezirke 1946 als eigenständiges Gymnasium nicht mehr auf. Ein kleines Schreiben an Dr. Fischer besiegelt das Ende dieser Institution: Das Schulbuchkonto der Bredeneyer Schule wird aufgelöst, Restgelder auf das Konto der Goetheschule überwiesen. Die Hoffnung der Rüttenscheider Schulgemeinde auf einen Wiederaufbau oder Neubau ihrer Schule, wie er noch in der Festschrift von 1949 gefordert wird, hat sich nicht erfüllt. 1951 wird die Vereinigung auch in der offiziellen Namensgebung vollzogen. Gerade die Ehemaligen des Bredeneyer Gymnasiums möchten, daß der Bezug zu Bredeney im Namen der Goetheschule aufgenommen wird. Der Rat der Gemeinde Essen schreibt an die "Vereinigung der Ehemaligen des Realgymnasiuns Bredeney": "Der Schulausschuß hat der Bezeichnung der Schule Essen - Bredeney als Goetheschule Neusprachliches Gymnasium Essen Bredeney" zugestimmt".

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